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Presse Home > Presse > Ständig Stau im Kopf Trierischer Volksfreund Sonntag, 23. Februar 2003 Weiss-Electronic Trier entwickelt Verkehrsleitsystem für Schweizer Gotthard-Tunnel Von unserer Redakteurin JENNIFER FALK TRIER. Jeder kennt sie, meist weil sie so etwas Unangenehmes wie einen Stau anzeigen: die Schilderbrücken auf den Autobahnen, Teil so genannter Verkehrsleitsysteme. Eine solche Anlage baut die Trierer Firma Weiss-Electronic für den Schweizer Gotthard-Tunnel. Sie stach bei der Auftragsvergabe die Schweizer Siemens AG aus. Ein Reifen platzt. Plötzlich verliert der Fahrer die Kontrolle. Der LKW gerät auf die andere Fahrbahn. Zwei Autofahrer können nicht mehr ausweichen. Es kracht, nichts geht mehr. Zwei Spuren sind unpassierbar. Mitten im Elbtunnel. Mitten im Berufsverkehr. Innerhalb weniger Minuten steht der Verkehr bis zur Einfahrt des Tunnels. In jeder Sekunde wächst der Stau. Das Ende ist nicht abzusehen. Was die meisten Autofahrer nicht wissen: Im Fahrbahnbelag stecken Drahtschleifen. Jedes Auto, das über den Asphalt rollt, wird erfasst. Und deshalb leuchtet jetzt weit vor der Tunnel-Einfahrt auf Schilderbrücken das Signal "Stau" auf. Ein System der Trierer Firma Weiss-Electronic. Seit mehr als 30 Jahren bietet Weiss-Electronic verkehrstechnische Problemlösungen an. Der erste Auftrag war die Steuerung der Straßenbeleuchtung im Trierer Stadtteil Mariahof: Damals wurden die Laternen so eingestellt, dass sie abends an und morgens ausgingen. Auf der Weiss-Projektliste stehen heute Aufträge anderer Größenordnung. Systeme von Weiss-Electronic leiten unter anderem den Verkehr im Elbtunnel, im Tunnel Dortmund-Wambel, auf der A 4 bei Dresden, der A 1 bei Bremen, der A 3 am Kölner Ring, der A 57 bei Krefeld, der A 10 am Berliner Ring, der A 99 am Autobahnring München - und auf dem Testgelände der Porsche AG. In dem Sitz des Unternehmens in der Niederkircherstraße könnte durch ein paar Mausklicks der Verkehr in sämtlichen deutschen Ballungsräumen lahm gelegt werden. Das aber ahnt niemand. "Keine Socke weiß, was hier geschieht. Jeder weiß, da passiert irgendwas, aber keiner weiß was", sagt Wolfgang Lümpert von der Marketing-Abteilung. An der Luxemburger Straße unterhält das Unternehmen zum Beispiel eine Testanlage. Autofahrer führt sie regelmäßig in die Irre. Sie nehmen den Fuß vom Gas, vermuten eine Messanlage der Polizei dahinter. Einige, berichtet Lümpert, fahren sogar auf das Gelände des Unternehmens, um die Anlage zu inspizieren. "Wir nutzen sie nur für unsere Zwecke", versichert er. Sie testen damit ihre Sensoren. Weiss-Electronic hat 87 Mitarbeiter und bietet als Generalunternehmer Verkehrsleitsysteme auf Autobahnen, Landstraßen und in Städten an. Das A und O ihrer Arbeit sind Sensoren. Bei ihnen - ob Kameras oder Messgeräte im Straßenbelag - beginnt die Reise der Signal-Übertragungen. Manchmal funktionieren die Systeme zu gut. "Viele Fahrer sehen Leuchtschilder, die vor Stau warnen, verlangsamen ihr Tempo, und es kommt nicht zu einem Stau. Am Ende halten sie das Leitsystem für defekt, dabei hat es einfach funktioniert", sagt Rainer Weber, Leiter des Projektvertriebs. Verkehrsleitsysteme bietet Weiss-Electronic im Paket an: Schilderbrücken, Streckenstationen, Sensoren, Hardware, Software, Tiefbau und Kabelverlegung. Die Schilderbrücken und Wechselverkehrsschilder gibt die Firma in Auftrag. In Trier wird die Software entwickelt und die Elektronik für Sensoren, Detektoren und Schilder gebaut. System fürs Nadelöhr Im Herbst 2001 bewarb sich Weiss- Electronic um den Auftrag für den Gotthard-Tunnel in der Schweiz. Zehn Tage vor der Brand-Katastrophe, bei der elf Menschen starben. Der Gotthard-Tunnel ist mit 17 Kilometern der längste Straßentunnel Europas und gilt als Nadelöhr auf dem Transitweg zwischen Nord- und Südeuropa. Fünf Firmen kamen beim Ausschreibungsverfahren in die engere Wahl. Den Zuschlag bekamen die Trierer. Im Sommer 2004 wird die Anlage installiert. Ende 2004 soll sie den Verkehr beeinflussen - bis drei Kilometer vor und hinter dem Tunnel. Im Tunnel selbst steuern alle 250 Meter Signalanlagen den Verkehr. Zwischen Lüftungsanlage und Verkehrsleitsystem werden ständig Informationen ausgetauscht. Im Falle eines Brandes oder falls im Tunnel eine bestimmte Kohlendioxid-Konzentration überschritten wird, bringen die Leuchtschilder vor dem Tunnel den Verkehr zum Stehen. "Im Moment dauert es zwischen 30 Sekunden und einer Minute, bis der Verkehr vor dem Tunnel zum Stillstand gebracht wird", sagt Rainer Weber. "Das muss schneller gehen. Nach 15 Sekunden sollte kein Auto mehr einfahren." Das Unternehmen beackert ein sehr spezielles Arbeitsgebiet: Ein Jahr braucht es, bis ein neuer Mitarbeiter in der Entwicklung oder im Vertrieb eingearbeitet ist. "Es ist nicht so, dass die Leute, die wir brauchen, auf der Straße stehen", sagt Weber. Es sei oft schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden. "Es wäre schön, wenn wir mehr Initiativ-Bewerbungen bekämen." Das nächste Projekt wartet schon: Die Firma würde gerne für Trier ein Verkehrsleitsystem entwickeln - rechtzeitig zur Landesgartenschau. "In Trier den Verkehr zu leiten", sagt Wolfgang Lümpert, "wäre eine echte Herausforderung." |
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